Am 4. November 1944 steigen in Eindhoven zwölf Typhoon-Jagdbomber des 181. Geschwaders der Royal Air Force (RAF) auf. Ihr Ziel: die Zerstörung des nördlichen Pavillons der königlichen Stallungen.
Die königlichen Stallungen von Paleis Het Loo sind in der Zeit Königin Wilhelminas erbaut worden. Sie bestehen aus Kutschenhäusern, Wasch- und Putzplätzen (einem mittleren, linken und rechten Wasch- und Putzplatz) sowie den Ställen links und rechts. Hinzu kamen bis 1944 ein linker und ein rechter Pavillon, die bewohnt wurden.
Vergleicht man die beiden Fotos, sieht man, dass das rechte Gebäude fehlt. Während des Zweiten Weltkriegs ist dieses Nebengebäude, auch Pavillon genannt, durch einen Luftangriff der Engländer zerstört worden. Auf einer Gedenkplatte bei den Stallungen wird an dieses Ereignis erinnert. Was ist dort während des Luftangriffs geschehen? Inwieweit sind die Spuren der Bombardierung heute noch zu erkennen?
Während des Zweiten Weltkriegs zieht Wilhelmina nach Den Haag, um näher bei der Regierung zu sein. Sie verlässt Het Loo bereits 1939. Die Wehrmacht besetzt das Schloss 1941 und nutzt es als Sanatorium für Soldaten. Die Räume der Königin dienen als Kantine und Operationssäle. Doch nicht nur deutsche Wehrmachtsangehörige werden auf Paleis Het Loo gepflegt, sondern auch eine große Zahl an britischen Kriegsgefangenen, die nach der Schlacht um Arnheim zur medizinischen Versorgung ins Paleis Het Loo verbracht werden. Nach der Befreiung wird das Schloss zum Hauptquartier der Binnenlandse Strijdkrachten, einem militärischen Zusammenschluss mehrerer Widerstandsgruppen, erklärt.
Der Angriff
Der nördliche Pavillon wird 1944 zerstört. Zu dem Zeitpunkt hat die Waffen-SS, die Elite-Einheit des deutschen Militärs, dort ihr Hauptquartier. Die Briten bekommen Wind davon und beschließen, das Gebäude anzugreifen, um die deutschen Truppen auszuschalten. Das muss jedoch sehr präzise geschehen, da im südlichen Pavillon zu der Zeit niederländische Familien wohnen.
Die Typhoons feuern ihre Raketen ab und zerstören das Ziel. Zeitgleich mit dem Angriff auf den Pavillon führt das 247. Geschwader der RAF Angriffe auf weitere Ziele in Apeldoorn durch, um die deutsche Luftabwehr abzulenken.
Opfer
Eine Reihe niederländischer SS-Soldaten wird bei dem Angriff getötet. Eine der Typhoons des 247. Geschwaders wird abgeschossen und stürzt unweit der Stallungen ab. Der Pilot David Wallace kommt dabei ums Leben.
Rob van Zinnicq Bergmann
Der Niederländer Rob van Zinnicq Bergmann ist einer der Piloten, der in dem Kampfgeschwader mitfliegt. Er beschreibt den Angriff in seinem Buch mit dem Titel Het doel bereikt („Das Ziel erreicht“). Ursprünglich war Bergmann Kavallerieoffizier. Als er 1940 beim deutschen Einfall in die Niederlande verwundet wird, flüchtet er nach Großbritannien. Dort lässt er sich als Pilot bei der RAF ausbilden und lernt Maschinen wie etwa die Spitfire und die Typhoon zu fliegen. Nach dem Krieg wird Bergmann Adjutant von Königin Wilhelmina und später Hofmarschall von Prinzessin Beatrix. Bis zu seinem Tod im Jahr 2004 bleibt er eine wichtige Persönlichkeit in den Niederlanden.
Gedenktafel
Nach dem Krieg lässt Königin Wilhelmina einige der von den Besatzern verursachten Schäden, wie etwa Granateinschläge, bewusst nicht beseitigen, um an die Besatzungsjahre zu erinnern. So wird auch der Pavillon nicht wiederaufgebaut. Zur Erinnerung an die Zerstörung ist bei den königlichen Stallungen eine Gedenktafel angebracht worden. Man kann immer noch die Umrisse des zerstörten Pavillons erkennen, die durch farblich unterschiedliche Ziegelsteine am Boden kenntlich gemacht wurden.