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Geschichten

Der Zweite Weltkrieg

, 10 Minuten
Paleis Het Loo mit einer Hakenkreuzfahne vor dem Paleis

Das Paleis Het Loo ist ein ehemaliges königliches Wohn- und Arbeitsschloss und eine nationale Ikone. Das Schloss hat in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und danach eine bewegte Geschichte gehabt.

Königin Wilhelmina verlässt Schloss Het Loo

Es beginnt im August 1939. Die Gefahr einer deutschen Invasion wird von den Niederlanden immer ernster genommen. Am 3. September 1939 ist die Lage schließlich derart bedrohlich geworden, dass Königin Wilhelmina beschließt, zusammen mit ihrem Stab von Het Loo nach Den Haag umzuziehen. Sie nimmt dabei persönliche Gegenstände aus ihrem Arbeitszimmer und dem königlichen Ankleideraum mit. So können diese Dinge dem Feind nicht in die Hände fallen: Familienporträts, der Inhalt ihres Schreibtisches, eine Reihe Goldarmbanduhren und Auszeichnungen.

Auch Wandteppiche, Gemälde und andere Kunstgegenstände werden in Sicherheit gebracht. Im Dezember 1939 lässt Wilhelmina einen Teil der Kunstsammlung und des Mobiliars in bomben- und feuersichere Depots bringen. Die selbstgemalten Gemälde, die bemalten Wandtapeten des Audienzsaals und die vergoldete Büste von Wilhelm von Oraniens (Wilhelm dem Schweiger) aus dem Arbeitszimmer Wilhelminas bekommen vorübergehend einen neuen Platz im Keller unter der (damals noch existierenden) Küche. Im Februar 1940 werden die Vorbereitungen auf eine mögliche Besetzung ausgeweitet. So wird ein Katastrophenplan ausgearbeitet, um die noch im Schloss befindlichen wertvollen Objekte zu schützen. Hausmeister Paul C. Wiessner fotografiert die Räume der königlichen Familie, um alles zu dokumentieren. Die Fotos zeigen leere Gemälderahmen, was dem Inneren von Paleis Het Loo ein gespenstisches Gepräge gibt.

600 Kilogramm Kostbarkeiten versteckt

Nach der Verlegung deutscher Truppen in Richtung Russland ergreift das Schlosspersonal die Gelegenheit, noch mehr Kostbarkeiten in Sicherheit zu bringen. Kupfer- und Bronzegegenstände mit einem Gesamtgewicht von etwa 600 Kilogramm werden unter dem Fußboden des kleinen Speisesaals (dem heutigen neuen Speisesaal) versteckt.

Das Arbeitszimmer der Königin Wilhelmina während des Zweiten Weltkriegs
Das Arbeitszimmer Wilhelminas
Der Salon während des Zweiten Weltkriegs
Während des Zweiten Weltkriegs: Der Salon mit leeren Bilderrahmen

Abschied ohne Emotionen

Im Frühjahr 1940 kehrt Königin Wilhelmina noch einmal zurück nach Paleis Het Loo: um Abschied zu nehmen, aber auch, um Anweisungen für den Fall zu erteilen, dass die deutschen Truppen in die Niederlande einfallen sollten. Der Abschied von ihrem, wie sie es nennt, „geliebten geldrischen Zuhause“ fällt ihr schwer. Später erzählt Wilhelmina, was ihr an diesem Tag durch den Kopf ging:

„Ich habe bei diesem Abschiedsbesuch auf Het Loo alles, aber auch wirklich alles darangesetzt, keinerlei Emotionen zu zeigen, und das ist mir – selbstverständlich! – gelungen. Aber ich kann Ihnen nicht sagen, wie sehr es mich berührt hat, als ich das Anwesen verließ. Ich erinnere mich noch, was ich dachte: Es werden Jahre vergehen, bis ich hier wieder zurückkomme, und vielleicht ist Het Loo dann ein Trümmerhaufen.“

Der deutsche Besatzer auf Paleis het Loo

Am 10. Mai 1940 fällt Nazi-Deutschland in die Niederlande ein. Es dauert nicht lange, bis der deutsche Besatzer sein Interesse an Paleis Het Loo bekundet: Das Schloss gilt als Symbol für die Niederlande und die Oranier. Am 27. Juni 1940 inspizieren die SS-Offiziere Kurt Baron von Schröder und Karl Bockamp das Inventar von Het Loo, und am 9. April 1941 hält die Wehrmacht ihren Einzug in die beiden Seitenflügel des Schlosses. Einige Tage später wird die lange Allee vor dem Schloss runderneuert: Der nördliche Teil wird mit neuen Buchen bepflanzt.

Erholung und Entspannung

Im Jahr 1942 wird Het Loo zu einem Sanatorium und Erholungsort für die Wehrmacht, die entsprechende Pläne für einen gründlichen Umbau entwickelt: In den Wänden zwischen den Salons in den Pavillons des Hauptgebäudes werden Durchbrüche geschaffen und der Rauch- sowie der Wappensaal zu Operationssälen umgestaltet. Aufgrund der gemäßigten Haltung des Chefarztes Dr. Rüge kann der Schaden jedoch auf ein paar unbedeutende Anpassungen beschränkt bleiben. Rüge sorgt ebenfalls dafür, dass die Räumlichkeiten der königlichen Familie abgeschlossen werden und die eingelagerten Wandbehänge des Audienzsaals erhalten bleiben.

Der Kunst- oder auch Komödiensaal im Westflügel wird ebenfalls als Kinosaal genutzt. Filmvorführungen sorgen für Entspannung beim Führungsstab wie auch bei den Soldaten, die sich in Het Loo zur Erholung aufhalten. So wird dort etwa ein „Wiener Abend“ abgehalten, an dem die Reichhochschule für Musik aus Wien Werke von Schubert, Brahms und Mozart aufführt, und für die lokale Bevölkerung veranstaltet man eine Ausstellung von Malern aus der Veluwe. Im Februar 1945 findet unter den Bäumen des Schlosses das Begräbnis des prominenten niederländischen SS-Führers Henk Feldmeijer statt. Hitlers Geburtstag wird auf Het Loo festlich mit einem Diner und einem Konzert gefeiert.

Ein Orchester, das zu Hitlers Geburtstag spielt
Hitlers Geburtstag am 20. April
Deutsche Soldaten spielten im Zweiten Weltkrieg Billard
Soldaten beim Billardspiel

Aus dem Audienzsaal wird ein Wehrmachtsspeisesaal

Stabsarzt Rüge gibt die zum größten Teil geleerten königlichen Räume zur Nutzung frei. Der Audienzsaal dient fortan als Speisesaal für die Wehrmachtsoffiziere, die in den angrenzenden Räumen untergebracht sind. In den Räumlichkeiten, die sich gegenwärtig wieder im Originalzustand befinden, so wie etwa das Ankleidezimmer und das Kabinett von Mary II., wohnt der Stabsarzt. Im Westflügel werden Räume für Massagen, medizinische Bäder und Lichtbehandlung eingerichtet. Ebenfalls befinden sich hier die Zimmer mit Betten für verwundete Offiziere. Im Ostflügel stehen 132 Betten für Militärangehörige unteren Ränge. An der nördlichen Außenmauer des Innenhofs hinter dem Ostflügel wird eine überdachte Rampe gebaut, um bei einem eventuellen Luftalarm die Patienten in ihren Betten so rasch wie möglich in den Schutzkeller bringen zu können.

Die Rampe am Paleis Het Loo während des Zweiten Weltkriegs
Rampe für den Transport von Betten in den Schutzkeller. Nationaal Archief, Den Haag, Foto: Charles Breijer, Anefo
Deutsche Soldaten marschieren im Zweiten Weltkrieg über den Bassecour
Besetzung von Bassecour

Von Het Loo in die Vogesen

Im November 1942 wird das Inventar des Silberzimmers – eine größere Zahl von Möbeln, Gemälde, komplette Service, Uhren und Skulpturen – in sichere Unterkünfte gebracht: das Jagdhaus in Gortel, das Aardhuis sowie in die Schlösser Soestdijk und Noordeinde. Trotz aller Bemühungen bleiben jedoch nicht alle Wertgegenstände aus Het Loo vor dem Besatzer verschont. Schon früh im Frühjahr 1942 wird ein Schloss in den Vogesen, das als Sanatorium für deutsche Generäle dienen soll, teilweise mit Einrichtungsstücken aus Het Loo ausgestattet, darunter die Stühle aus dem Arbeitszimmer der Königin. Auch werden Möbel, Teppiche, Bettgestelle, Gemälde, Spiegel und Pendeluhren im Güterwaggon nach Berlin transportiert, um dort Büros damit auszustatten. Ein schwarzer Bechstein-Flügel wird im Militärlager Waalsdorp in den Dünen bei Den Haag einer neuen Bestimmung zugeführt.

Kanadischer Panzer während der Befreiung von Paleis Het Loo im Zweiten Weltkrieg
Kanadischer Panzer vor dem Paleis Het Loo (1945). Foto: Sammlung M. de Ferrante
Truppen vor dem Schloss
Paleis Het Loo, Ankunft der kanadischen Truppen am 17. April 1945. CODA Archief Apeldoorn

Ort des Widerstands

Doch nicht nur deutsche Soldaten werden im Paleis Het Loo gepflegt. Nach der Schlacht um Arnheim wird vom September 1944 bis April 1945 auch eine große Zahl britischer Kriegsgefangener nach Het Loo gebracht, um dort medizinisch versorgt zu werden. Um sie von den deutschen Kranken getrennt zu halten, werden die alliierten Verwundeten in den ehemaligen Räumen der königlichen Familie und im Audienzsaal gepflegt. Das Paleis Het Loo wird zum Ort des Widerstands, als das Schlosspersonal einigen Briten zur Flucht verhilft und etwa vierzig Personen, sog. onderduikers, auf dem Schlossgelände versteckt. Reichskommissar Seyß-Inquart erfährt davon selbstverständlich nichts.

Hauptquartier der Binnenlandse Strijdkrachten

Je näher der Tag der Befreiung heranrückt, umso mehr entwickelt sich Paleis Het Loo zu einem Symbol des niederländischen Widerstands. Am 17. April 1945 wird Apeldoorn befreit, und nur zwei Tage später hält Prinz Bernhard mit seinem Militärstab Einzug in Het Loo. Das Schloss wird zum Hauptquartier der Binnenlandse Strijdkrachten, einem militärischen Zusammenschluss mehrerer Widerstandsorganisationen. Übrigens wohnt der Prinz nicht in Het Loo, sondern in Huis Spelderhold in Beekbergen. Am 5. Mai 1945 fährt er von Paleis Het Loo aus nach Wageningen, um dort die deutsche Kapitulationurkunde zu unterzeichnen. Am 2. August holt Prinz Bernhard seine Frau und die drei Töchter vom unweit Apeloorns gelegenen Flugplatz Teuge ab. Auf dem Weg zum Paleis Soestdijk, dem festen Wohnsitz der königlichen Familie, legt die Prinzenfamilie einen Zwischenstopp auf Paleis Het Loo ein. Doch erst im Herbst 1945 kann mit der Wiedereinrichtung des Schlosses begonnen werden.

Erzählt man sich in Ihrer Familie Geschichten über Paleis Het Loo im Zweiten Weltkrieg?

Geschichten, die man sich in Ihrer Familie über Paleis Het Loo erzählt, oder Fotos des Schlosses während der Besatzungszeit oder nach der Befreiung? Bitte mailen an: verhalen@paleishetloo.nl

Das Innere des Paleis Het Loo nach dem Abzug der deutschen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg
Das Innere von Paleis Het Loo nach dem Abzug der deutschen Besatzer. Foto Paleis Het Loo
Auto von Prinz Bernhard vor dem Schloss
Prinz Bernhard fährt am 5. Mai 1945 ins Hotel de Wereld