Voice over: Gehen Sie eine Runde über den Platz oder setzen sich auf eine der Bänke, während Sie sich diesen Audioclip anhören. Ist das blaue Tor geschlossen? Dann können Sie auch auf dem Platz davor spazieren gehen.
Musik: Dramatische, bedrohliche, aber minimalistische Musik.
Voice over: Während der 1930er Jahre fliehen viele deutsche Juden aus Angst vor Verfolgung und Gewalt durch die Nazis.
Ton: Ausschnitte aus einer Hitlerrede im Hintergrund, jubelnde Menschen.
Voice over: Von den Niederlanden aus wird sehr wenig unternommen, um denen zu helfen, die an der niederländischen Grenze stehen. Diejenigen, die keine Papiere haben, werden gnadenlos zurückgewiesen. Es entsteht eine gesellschaftliche Diskussion darüber, ob jüdische Flüchtlinge aufgenommen werden sollen oder nicht. Diskussionen darüber, ob Flüchtlinge aufgenommen werden sollen oder nicht, gibt es also nicht erst seit heute ...
Die Diskussion erreicht im Jahr 1939 auch das Paleis Het Loo:
Die Haager Politik ist auf der Suche nach einer Unterkunft für die kleine Gruppe jüdischer Flüchtlinge, die tatsächlich aufgenommen werden. Ein Stück der Veluwe bei Ermelo scheint ein idealer Ort für ein zentrales Flüchtlingslager sein. Ein Grundstück, das an das Gelände des Paleis grenzt...
Der Plan stößt bei verschiedenen Organisationen auf großen Widerstand. Das Lager würde beispielsweise den Tourismus in der Veluwe gefährden und die Sonntagsruhe stören, heißt es da.
Königin Wilhelmina findet es zu nah an ihrem geliebten – 12 Kilometer entfernten – Paleis Het Loo. Es ist ein weitverbreitetes Gefühl: Man kann der Aufnahme von Flüchtlingen durchaus zustimmen, aber „nicht im eigenen Hinterhof".
Am Ende wird es kein Lager geben.
— Pause
Musik: Neutrale Musik, mit einem Gefühl von Eile.
Voice over: Es wird immer aktiver darüber nachgedacht, wie die enorme Sammlung des Paleis Het Loo im Kriegsfall gesichert werden könnte.
Im November 1939 werden alle wertvollen Gegenstände aus den Empfangsbereichen von Het Loo entfernt.
Als aber der Verwalter, der für die Leitung des Schlosses zuständig ist, Wilhelmina fragt, ob die Wertgegenstände in ihren persönlichen Räumen auch in Sicherheit gebracht werden sollten, reagiert sie wütend:
Voice over (mit Hall) „Alles bleibt, wo es ist, […] ich möchte jeden Tag nach Het Loo kommen können und alles genauso vorfinden, wie ich es verlassen habe […].“
Voice over: Diese unnachgiebige Haltung scheint allerdings nur von kurzer Dauer zu sein. Die Kriegsgefahr wird so groß, dass innerhalb weniger Wochen Wandteppiche und andere Artefakte doch noch in einem Raum unter der Küche versteckt werden – die sich im rechten Flügel des Paleis befand.
Das Paleis Het Loo, ein nationales Symbol, verliert viel von seiner Pracht und seinem Glanz.
Voice over: Am 10. Mai 1940 geschieht, was viele befürchtet haben: Deutschland marschiert in die Niederlande ein.
Musik: Dramatisch, eindringlich.
Ton: Hörfunkausschnitt: Die Deutschen sind eingefallen
Voice over: Es ist davon auszugehen, dass die Deutschen das Regierungszentrum unter ihre Kontrolle bringen und möglicherweise die königliche Familie als Geisel nehmen wollen.
Am 12. Mai 1940 fliehen daher erst Juliana und Bernhard mit ihren beiden jüngeren Töchtern nach England. Einen Tag später wagt auch Wilhelmina, mit griffbereiter Gasmaske und Helm, die Überfahrt.
Fünf Tage nach der Invasion kapitulieren die Niederlande. Bei vielen herrschen Wut und Unverständnis über die Flucht der Regierung und der Königin. Wie kann sie gerade jetzt ihr Volk im Stich lassen?
Gehen Sie nun zum Eingang des blauen Tores am Paleis. Stellen Sie sich mit dem Rücken zum Schloss und biegen nach links ab. Gehen Sie an der Schranke vorbei und biegen Sie vor der Straße wieder links ab, bis Sie die Bushaltestelle Tuinmanslaan erreichen.
Während Sie gehen, können Sie sich den nächsten Audioclip anhören.